Die Kunst des „Ausatmens“ – Grundlage für Ausgeglichenheit und Energie

Wie du weißt ist das Leben ein dynamischer Prozess, der ständige Wechselwirkungen und Veränderungen mit sich bringt. Äußerlich erkennen wir dies an den verschiedenen Jahreszeiten oder den wechselnden Wetterverhältnissen. Gerade beim Wetter gab es in den vergangenen Wochen viele heftige Wechsel. Mal war es bereits morgens sonnig und warm, um sich bereits 2 Std. später wieder in strömenden Regen zu verwandeln, der wie aus Eimern vom Himmel kam. Natürlich beeinflussen diese schnellen Veränderungen auch unser mentales und körperliches Befinden. Aber nicht in sehr großem Ausmaß. Wir Menschen sind evulotionstechnisch gesehen ja sehr anpassungsfähig, ansonsten wären wir schon längstens ausgestorben. Dennoch beobachtete ich gerade auch in den letzten Wochen immer mehr Menschen, die wie aufgescheuchte Tiere umherlaufen. Ihr Leben ist vollgepackt mit Terminen, Events und Verpflichtungen. Sie hasten wie wild von einem Ort zum anderen und rollen wie auf einem Hüpfball stehend, mit Kegeln jonglierend durch Raum und Zeit. Die Tage und Wochen verfliegen. Und wieder ist kostbare Lebenszeit im „Alltag“ an ihnen vorbei gerauscht. 

Gerade in der vermeintlich schönsten Zeit des Jahres, der Urlaubszeit, dreht sich das sogenannte Hamsterrad wohl am schnellsten. Das Gemeine an dieser Hektik und dem Stress ist, dass er so schnell zur Normalität wird. Es ist normal, dass wir unter Dauerfeuer stehen. Es ist normal, dass wir uns zwischen Job und Familie zerreißen. Auch dieses Verhalten wird zur Gewohnheit und verankert sich in unserem neuronalen Netzwerk. Darüberhinaus weiß man aus der Neurowissenschaft, dass man nach diesen „Stressgefühlen“ auch richtig süchtig werden kann. Und so verhalten wir uns ähnlich wie ein „Junkie“, wenn doch mal der Gegenpol in Form von Ruhe und Stille droht, und brauchen immer mehr von dem Stoff, den Stresshormonen der unser Hamsterrad und unsere Welt antreibt.

Wohin dies aber langfristig führt, erkennt man an der immer noch steigenden Zahl von Burnout, Depression, chronischen Schmerzzuständen, Herzinfarkt und Schlaganfällen. In der Medizin spricht man hier auch von „silent inflammation“ (stille Entzündung), welche u.a. auf den chronischen Stress zurückzuführen ist.

Aber dabei habe ich das Gefühl, dass wir in der Entwicklung erst die Spitze des Eisberges erreicht haben. Es scheint fast so, als würde sich auch durch den technischen Fortschritt das Rad der Zeit immer noch schneller und noch schneller drehen. Was da aus mentaler, körperlicher und seelischer Sicht auf uns zukommt, ist nur zu erahnen. Eines ist jedoch glasklar. Es ist die Zeit gekommen, gegen zu steuern und eine Kurskorrektur vorzunehmen.

Dieser ständige „Lärm“ um uns herum, die Hektik, der Stress ist vergleichbar mit dem „einatmen“. Das Einatmen ist im Taoismus vergleichbar mit der Kraft YIN. YIN steht für die männliche, aktive, fortschreitende und auch helle und harte Kraft im Leben. Diese Kraft führt zu Aktivität, sie schafft Verhältnisse und bringt Ergebnisse. Wir wissen aber auch was passiert, wenn wir nur noch „einatmen“.

Stell dir vor du atmest nur noch ein, füllst deine Lungenflügel weiter und immer weiter mit Luft. Selbst über diesen fühlbaren Widerstand deiner Lungenflügel atmest du hinaus, bis es letzen Endes zum Riß eines oder sogar beider Lungenflügel kommt und du zum gegensteuern gezwungen wirst. Oder es droht die Hyperventilation, wobei die Konzentration des CO2 im Blut nicht mehr abgebaut wird, du klappst zusammen und wirst von einem „Rettungsprogramm“, einer uns innewohnenden Intelligenz dazu gezwungen dein Verhalten zu ändern. Das ist aber auch der Beginn wo eine Krise zur Chance werden kann. Durch diese Gegenregulierung wird uns bewusst, was wir bis dahin falsch gemacht haben. 

Das Leben ist ständig darauf bedacht für Ausgleich zu sorgen. Genauso wie es die treibende, aktive Kraft Yin gibt, gibt es auch das dunkle, weiche, kalte, weibliche, passive, für Ruhe stehende Yang. Durch das „Ausatmen“ lassen wir das Yang in unser Leben. Es bedarf immer auch des Gegenpols um Gleichgewicht zu schaffen.

Ich finde gerade jetzt ist eine gute Zeit, um wieder tief und fest „auszuatmen“ und Ruhe zu finden. Für nichts anderes ist die sogenannte Urlaubszeit da. Urlaub kommt von erlauben, wo man sich erlaubt mal richtig durchzuschnaufen, auszuatmen und sich selbst wieder ins Zentrum seines Lebens zu stellen und der Freude zu folgen. Nur durch das „Ausatmen“ werden wir unsere Bedürfnisse wieder besser wahrnehmen können, den Stresspegel runter regulieren und das Leben als kostbar wahrnehmen.

Es ist unsere Aufgabe durch unser Verhalten für jene Verhältnisse zu sorgen, in welchen wir uns gesund und glücklich fühlen.

Teilweise hat es für mich den Anschein, als wären die „ewig Getriebenen“ auf der Flucht vor ihrem Leben. Vielleicht verhindert dieses „gestresst sein“ sich mit seinen „Baustellen“ auseinander zu setzen. Vielleicht verhindert es den Blick auf das zu richten, was im „Argen“ liegt.  Sehr wahrscheinlich ist es die Angst vor schmerzlichen, emotionalen Entscheidungen und Ereignissen, die jene Menschen daran hindert sich mit ihren „Themen“ auseinander zu setzen. Doch gerade das würde wahre Befreiung bedeuten und das innere Gleichgewicht und den inneren Frieden wieder herstellen.

Wir sollten wieder lernen „richtig auszuatmen“! Nur wenn beide Kräfte gleichermaßen und ausbalanciert in uns wirken, kehrt Ruhe ein und lässt vieles, was uns vorher aus der Fassung gebracht hätte, gleichgültig erscheinen. Diese Ruhe und Stille in uns ist der Nährboden für neue, kraftvolle und kreative Energie, die dann in uns aufsteigen kann und uns zur Freude führt. Mit dieser Freude kehrt auch die Ausgeglichenheit in Körper, Geist und Seele ein.

Mein Tipp: ATME AUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUS!

Nutze folgende Übung für mehr innere Ruhe und Ausgeglichenheit:

Mit dieser einfachen und effizienten Übung kannst du das Ausatmen praktizieren und dich von Anspannung und Stress lösen. Du fühlst dich frischer, innerlich ruhiger, verbindest dich wieder mehr mit dem jetzigen Moment und schöpfst neue Kraft. 

Schließe die Augen und werde ruhig. Atme ein paar mal tief ein und aus. Lasse dabei Anspannung los.

Wenn du dich durch das Ein- und Ausatmen nun etwas entspannter fühlst, dann kannst du mit der eigentlichen Übung beginnen.

Atme 4 Sekunden lang ein und 11 Sekunden lang aus. Während du dies machst stell dir über deinem Kopf ein warmes, helles Licht (z.Bsp. die Sonne) vor. Während du für 11 Sekunden lang ausatmest, stell dir vor, wie dieses Licht über deinen Kopf in deinen Körper fließt und diesen mit jedem Mal ausatmen weiter füllt. Nach etwa 10-maligem Ein- und Ausatmen sollte dein ganzer Körper von diesem imaginierten Licht gefüllt sein.

Du kannst während dieser Übung noch weitere Eigenschaften wie z. Bsp. Energie, Kraft, Gelassenheit, innere Ruhe, Harmonie usw. mit einfließen lassen und diese Eigenschaften dabei gedanklich wiederholen. 

Je öfter du diese Übung machst, umso mehr wirst du spüren, wie gut sie tut. Du kannst Sie auch sehr gut während dem Duschen durchführen und dich dabei richtig gut entspannen.

Ich wünsche dir entspannte Momente!